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Eintrittsermäßigung gilt für Schüler, Studenten, Arbeitssuchende sowie Schwerbehinderte und Inhaber eines FreiwilligenPasses des Landes Brandenburg

Mittwoch
22.
Februar 2023
20.00 Uhr

Viktor Jerofejew
(c) Ciconia Verlag

 

Viktor Jerofejew
„Der große Gopnik“

Moderation: Wladimir Velminski
Lesung und Gespräch

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeister Str. 46/47

Karten unter:
0331-2804103

Eintritt: 12 / 10 €

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Der russische Autor Viktor Jerofejew hat sein Land wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine verlassen und lebt im Berliner Exil. Mit seinem Verleger Wladimir Velminski spricht er über die historischen und gegenwärtigen Hintergründe des Krieges gegen die Ukraine und über die Zukunft Rußlands. Der 74-Jährige hatte Zeit seines Lebens immer wieder Kontakt zu den Mächtigen im Kreml. Sein Vater war Stalins Französisch-Dolmetscher und Übersetzer. Er selbst kannte Gorbatschow gut und hat auch Putin mehrfach getroffen und sich mit ihm länger unterhalten.

Jerofejew beschreibt seine Landsleute als "harte Kinder", die keine gute politische Kultur lernen durften und um sich herum nur Feinde sehen. "Die Europäer glauben sehr naiv, dass Putin Russland okkupiert hat. Putin hat es aber, im Gegensatz zu Stalin, Chrustschow oder den Zaren, geschafft, einen Kontakt zu seinem Volk zu finden", sagt Jerofejew. So würden viele Frauen Putin lieben und viele Männer ihm nacheifern. Putin sei eben ein „erfolgreicher Gopnik", so Jerofejew. Das Wort Gopnik kommt von der Abkürzung GOP (Städtische Wohnheime des Proletariats) und bezeichnet einen kriminellen Halbstarken aus der russischen Unterschicht. Der Begriff fließt in Jerofejews neuen Roman "Putin, der große Gopnik" ein, den er vor drei Jahren begonnen hat. "Es ist ein Buch über das parallele Leben von Putin und mir. Der eine wird ein frei denkender Schriftsteller, der andere - ein Gopnik - wie Putin. Am Anfang habe ich mit viel Ironie geschrieben, doch dann änderte sich einiges in Russland. Es gab Repressionen und so wurde das Buch immer bitterer. Jetzt hat mir Putin mit dem Krieg gegen die Ukraine ein Finale geschenkt. Es ist zwar schrecklich, aber es ist ein ernsthaftes Ende für mein Buch", sagt Jerofejew.

Viktor Jerofejew geboren 1947 in Moskau. 1979 wurde er wegen seiner Beteiligung an der Literaturanthologie Metropol mit von der Zensur verbotenen Texten vom Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen. Im Westen wurde Jerofejew durch seine Romane „Die Moskauer Schönheit“ (1990) und „Der gute Stalin“ (2004) bekannt. Aktuell schreibt er regelmäßig für die New York Times, DIE ZEIT, die FAZ und DIE WELT und gilt als kritischer Intellektueller. Im Jahr 2022 verließ er Rußland mit seiner Familie auf einer schwierigen Autofahrt über Sankt Petersburg, Finnland, Tallin, die Baltischen Staaten und Polen und lebte zuerst im Schloß Wiepersdorf. Inzwischen ist er nach Berlin gezogen. Im Jahr 2023 erscheint bei Matthes & Seitz Verlag sein neues Buch „Der große Gopnik“.

Wladimir Velminski, 1976 in Duschanbe (UdSSR) geboren, studierte Mathematik, Physik, Slawistik und Kulturwissenschaft in Berlin und Moskau. 2008 promovierte er in Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Leiter des Fachbereichs »Geschichte und Theorie medialer Regime in Osteuropa« an der Bauhaus Universität Weimar, verfasste er zahlreiche Publikationen zur Kulturgeschichte Osteuropas. 2015 gründete Velminski in Berlin den Ciconia Verlag, der russischen und osteuropäischen Autoren eine literarische Heimat bietet. Im Jahr 2021 wurde der Verlag mit dem Deutschen Verlagspreis und im Jahre 2022 dem Berliner Verlagspreis ausgezeichnet.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung
(Politisches Bildungsforum Brandenburg)